Von Christoph Stampfli – An der Delegiertenversammlung vom 30. Juni 2012 beschloss die JUSO, die Lancierung einer Volksinitiative mit dem Titel „Keine Spekulation auf Nahrungsmittel – Spekulationsstoppinitiative”. Ziel ist das Verbot der Nahrungsmittelspekulation von in der Schweiz ansässigen Banken und institutionellen Investoren. Trotz ihren sicherlich guten Absichten sind die Jungsozialisten leider auf dem Holzweg und ihr angestrebtes Verbot würde im Gegenteil zu mehr Hunger führen. Was die JUSO nicht begriffen hat wie der Preismechanismus funktioniert, was „Spekulation“ ist und was die wirkliche Ursache für den Anstieg von Nahrungsmittelpreisen ist und wieso diese Ursache schädlich für Anleger, Pensionskassen und anderen Anlegern sowie Konsumenten in allen Teilen der Welt ist, möchte dieser Artikel aufzeigen.
Zuerst sollte man die Begriffe klären um Klarheit in der Sprache zu erhalten. Was ist denn Spekulation? Hierzu zitiere ich aus dem Rahim Tagahizadegans Buch „Wirtschaft wirklich Verstehen – Einführung in die Österreichische Schule“:
„Die wenigsten Verstehen, was Spekulanten eigentlich machen […]. Doch man muss unterscheiden zwischen den „Spekulanten“, die an der Geldschöpfung verdienen und dem Prinzip der Spekulation an sich. Echte Spekulation geht mindestens ebenso oft schief wie sie gut geht. Eine unrechtmässige Bereicherung erlaubt sie nicht, sie honoriert nur in seltenen Fällen richtige Voraussicht. Die „Spekulation“ der Geldschöpfer besteht hingegen darin, an der Geldmengenausweitung durch geeignete Kredithebel noch schneller und stärker als die Konkurrenz zu verdienen“.
Beschränken wir uns zuerst auf die „echten“ Spekulanten und lassen die Geldschöpfung (vorerst) aussen vor. Der Spekulant versucht aus seinen vermeintlichen Wissensvorsprung und seine Einschätzung der Entwicklungen der Märkte einen Profit zu machen. So kann zum Beispiel ein Spekulant, der eine Missernte vorausahnt und sich deshalb in Erwartung steigender Preise mit dem Gut eindeckt, diese in der Zeit nach der schlechten Ernte zu höheren Preisen verkaufen. Anscheinend hat er am Hunger verdient, was ihn bei JUSOs und Konsumenten verhasst macht. Ihnen ist jedoch entgangen, dass er eine unglaublich wertvolle Funktion übernommen hat. Indem er das Getreide in Zeiten als es noch billig und in grossem Ausmass verfügbar war aufgekauft hatte, stiegen die Preise, was die Verbraucher zu einem sparsameren Umgang motivierte. Durch, dass der Spekulant die Ware eingelagert (und nicht konsumiert!) hat und sie dann in Zeiten der Not und Knappheit wieder verkaufte, stieg die verfügbare Nahrungsmittelmenge und somit sank der Preis in der Notzeit. Der Spekulant trägt also zur Linderung der Not bei! Jeder der nicht der Meinung ist, dass der Staat Güter am besten und effizientesten verteilt, sieht hier die wertvolle Funktion des Spekulanten. Für sein eingegangenes Risiko und seine richtige „Vorhersage“ wird er durch die Nachfrager belohnt. Man sieht, der Spekulant verdient nicht am Hunger seiner Mitmenschen, sondern eher deren falschen Zukunftseinschätzungen.
Noch kurz zu den im Initiativtext ausdrücklich erwähnten Derivaten: Weder Futures, Optionen, Swaps noch irgendwelche anderen Derivate sind prinzipiell schädlich. Es handelt sich lediglich um wichtige Hilfsmittel für eine komplexe, arbeitsteilige Wirtschaft.
Kommen wir nun zu der zweiten Gruppe der „Spekulanten“, den Profiteuern der Geldschöpfung. Durch die immerwährende Ausweitung der Geldmenge sinkt die Kaufkraft der Währungen. Die Preise für Rohstoffe und andere Güter steigen. Banken bekommen das „frische“ Geld von der Notenbank zum Nulltarif, kaufen mit der alten Kaufkraft Anlagen ein, die Abwertung schlägt sich erst nach und nach durch und führt zu Nennwertpreissteigerungen. Zusätzlich treiben die ständige Geldmengenausweitung und die dadurch ausgelöste Kaufkraftverlust Anleger in Sachwerte wie Rohstoffe, womit eine erhöhte Nachfrage ausgelöst wird, welche den Anstieg der Rohstoffpreise noch verstärkt. Diesen Effekt sieht man bei Überlagerung der Kurven von Nahrungsmittelpreisen mit dem Goldpreis. Gemessen in Gold, sind die Nahrungsmittelpreise überhaupt nicht gestiegen, sondern eher gefallen.
Die ständige Abwertung der Währungen rund um die Welt verhindert das Sparen und treibt in den kurzfristigen Konsum. Die Verzögerung der Teuerungsspirale kommt die ausgeweitete Geldmenge erst verzögert bei den Lohnempfängern an und diese erleiden Reallohneinbussen. Die Nullzins-Fiat-Money-Politik der Zentralbanken dieser Welt ermöglicht die Bereicherung der Banken auf Kosten der Sparer und Vorsorger.
Mit dem Verbot der Spekulation schadet man den Allerärmsten und verschlimmert, die ohnehin schon schlimme Lage insbesondere der Entwicklungsländer weiter. Stattdessen muss endlich echtes warengedecktes Geld wiedereingeführt werden, will man denn wirklich etwas für jene tun, die es am Nötigsten haben.













3 Comments
Guten Tag Herr Hofstetter,
man muss vorsichtig sein mit dem zuordnen von Ursachen zu beobachteten Effekten.
Das die Spekulation Preisamplituden dämpft kann man zum Beispiel beobachten wenn man vergleichbare Produkte im gleichen Zeitraum betrachtet. Eine Möglichkeit dazu ist der Zwiebelmarkt, das Einzige Nahrungsmittel auf dem die Spekulation gesetzlich (in den USA) verboten ist. Die Preisamplitude war grösser als bei jedem anderen Nahrungsmittel.
Was Sie sagen ist natürlich nicht falsch, Herdenverhalten und Profitgier und der Hype um Blasen kann man immer wieder beobachten. An geplatzen Blasen verdient aber der Spekulant nicht, sondern an einer richtig Marktprognose (steigende Preise einer Blase bei nicht wesentlich gesteigertem Nachfrageüberschuss wäre in dem Fall eine Fehlallokation).
Den Mechanismus wie die Spekulation die Preise generell erhöht hat mir noch nie jemand erklären können. Nur die Tatsache das jemand Geld abseits des Produktionsprozesses verdient heisst noch nicht das es eine generelle Erhöhung der Preise gibt.
Viele Grüsse
Christoph Stampfli
JUSO Rulles!!
Lieber Herr Stampfli,
Ich weiss nicht aus welchen Motiven sie handeln und möchte mich hier auch nicht in irgendwelchen Mutmassungen hingeben. Ihr Loblied auf die Spekulation ist aber, tut mir leid, reine Propaganda der Finanzindustrie und lässt jegliches geschichtliches Gespür vermissen..
Wo ich mit ihnen einig bin ist, dass das Investitionsvolumen auf den Rohstoffbörsen in den letzten Jahren explodiert ist. Dass dies einen Zusammenhang hat mit dem Zinsniveau, ist nicht abzustreiten. Das Problem welches wir auf den Rohstoffmärkten jedoch haben, ist die immer stärkere Volatilität. Festgestellt wurde diese von den grossen Internationalen Organisationen, von den Menschen die auf diesen Märkten handeln, aber sie ist auch für jeden Laien offensichtlich.
Sie führen aus, wie die Spekulation in der Theorie die Preise stabilisiert. Wer sich aber nur ein minimales Bisschen mit der Geschichte der Spekulation auseinandergesetzt hat, der weiss, dass dies keinesfalls der Fall ist. Herdenverhalten, Profitgier und die Überzeugung von der eigenen Genialität führen dazu, dass dieses Lehrbuchsystem in der Realität immer wieder katastrophale Folgen hatte. Das erste Beispiel der Neuzeit ist die Tulpenzwiebelnspekulation in Holland. So konnte man 1636 für eine Zwiebel, die vorher keinen erkennbaren Wert besessen hatte, für einen neuen Wagen, zwei graue Pferde und ein vollständiges Geschirr eintauschen.
Bis zur heutigen Zeit hat sich dieser Vorgang etliche Male und in unzähligen Märkten wiederholt. Das neuste Beispiel ist die Rohstoffpreiskrise 2007/08. Blasen eines solchen Ausmasses sind Gift für die Wirtschaft und wenn sie Lebensnotwendige Güter betreffen, sind sie absolut verheerend und um jeden Preis zu verhindern. Um ihren Konter von wegen fundamentaldaten sind preisbestimmend vorweg zunehmen, Getreidepreissteigerungen von 80% innerhalb von wenigen Monaten können weder mit der wachsenden Weltbevölkerung, noch mit dem steigenden Wohlstand und auch nicht mit den Wetterphänomenen erklärt werden. Grund dafür waren die Finanzinvestoren und Indexfonds, zu diesem Schluss kommt übrigens auch die Weltbank in ihrem ausführlichen Bericht zu Krise.
Es gilt also das Investitionsvolumen auf den Rohstoffbörsen zu senken, um wieder eine Preisbildung nach Angebot und Nachfrage und nicht nach dem Diktat der Finanzindustrie zu ermöglichen. Die Initiative der JUSO ist folglich genau der richtige Weg.
Also bitte, ich verstehe Provokation gehört dazu. Wenn sie aber der JUSO so etwas vorwerfen, dann erwarte ich auch etwas mehr als nur Bankenpropaganda…
freundliche Grüsse
Moritz Hofstetter